Tapas, Spargel, Zitronensorbet und die Frage: Wie unterschiedlich können zwei Silvaner eigentlich sein?

Es war einer dieser ersten lauen Frühsommerabende Ende Mai, die man einfach im Freien ausklingen lassen muss – am besten mit einem Glas Wein und etwas Feinem auf dem Grill. Spontan wurde also der Hof vor dem Pastoriushaus zur Outdoorküche umfunktioniert und Lukas lud zum gemeinsamen kochen, probieren und diskutieren. Nicht als steife Verkostung, nicht als perfektes Dinner mit weißen Handschuhen. Sondern so, wie Wein am schönsten ist: am Tisch, mit Menschen, die gerne essen, gerne trinken und gerne darüber sprechen, warum beides zusammen manchmal mehr ist als die Summe seiner Teile.

Drei leichte Gänge, passend zum Frühling. Dazu Weine aus dem Pastoriushaus – vom unkomplizierten Rosé bis zur edlen Auslese. Und mittendrin eine kleine, ziemlich spannende Weinfrage: Wie unterschiedlich können zwei Silvaner aus derselben Lage eigentlich schmecken? Denn zum Hauptgang kamen gleich zwei große Silvaner auf den Tisch. Beide aus dem Sommerhäuser Steinbach. Beide Lagenweine. Beide mit Anspruch. Und trotzdem zwei völlig verschiedene Charaktere.

Wir haben den Abend mit der Kamera begleitet: vom ersten Schnitt bis zum letzten Löffel Zitronensorbet. Kochen, probieren, einschenken, lachen – und der Moment, in dem ein Wein plötzlich perfekt zum Teller passt.

1. Gang: Entspannter Auftakt mit Tapas und Rosé

Der erste Gang war kein einzelner Teller, sondern ein lockerer Auftakt: Tapas. Genau richtig für einen Abend, an dem noch niemand ganz am Tisch sitzen bleiben will. Kleine Schalen, verschiedene Aromen, ein bisschen Salz, ein bisschen Frische, etwas Cremiges, etwas Knuspriges – und dazu ein Wein, der nicht lange erklärt werden muss: unser 2024 Rosé trocken.

Ein Wein, der genau diese Rolle wunderbar spielt: frisch, zugänglich, unkompliziert, aber nicht beliebig. Er bringt Farbe ins Glas, macht Lust auf den ersten Bissen und passt zu diesem „Wir fangen einfach mal an“-Gefühl, das gute Abende oft haben.

Frühling im Glas: 2024 Rosé trocken

Ein lebendiger, unkomplizierter Wein, dessen Aromen an rote Früchte erinnern. Seine cremig-balsamischen Noten und die feine Reduktivität machen ihn zu einem spannenden Begleiter für laue Sommerabende. Geschmacklich zeigt er sich spritzig mit einer angenehmen Säure.

Zu Tapas passt Rosé auch deshalb so gut, weil er vieles mitmacht: Er begleitet Gemüse, Kräuter, leichte Schärfe, Brot, Oliven, kleine Häppchen – ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Kein Solist, sondern ein sehr angenehmer Tischgast.

2. Gang: Umami-Ofenspargel, Rinderfilet und zwei Silvaner aus einer Lage

Lukas servierte Umami-Ofenspargel mit Rinderfilet. Ein Gericht, das den Frühling nicht ganz brav interpretiert. Spargel ja, aber nicht klassisch mit Sauce Hollandaise und Kartoffeln. Sondern aus dem Ofen, mit Tiefe, Röstaromen, Würze und diesem herzhaften Umami-Gefühl, das aus einem saisonalen Gericht plötzlich etwas sehr Eigenes macht. 

Die Inspiration dafür brachte er aus Wirsberg mit: Das Rezept für den Umami-Ofenspargel stammt aus der Frühstückszeitung des Posthotels von Alexander Herrmann – einem Haus, das wir mit unseren Weinen beliefern. Ein schöner Genusskreislauf also: entdeckt in Wirsberg, gekocht im Pastoriushaus und begleitet von zwei Silvanern aus dem Sommerhäuser Steinbach. Und genau hier wurde der Abend spannend. Denn zum Spargel stand der 2022 Silvaner R trocken Sommerhausen Steinbach im Glas. Zum Rinderfilet kam der 2015 Silvaner CONCORD trocken Sommerhausen Steinbach dazu. Zwei Silvaner. Eine Lage. Zwei völlig unterschiedliche Antworten.

Titelseite der Posthotel-Zeitung, dem "Postboten"

Der „Postbote“: Im Bistro oma&enkel des Posthotel von Alexander Herrmann gibt es Frühstückskarte und Lesestoff  in einem.

Rezeptinspiration aus Wirsberg: Der Umami-Ofenspargel aus dem Postboten 08/Frühling 2026

Spargel und Silvaner — das ist in Franken natürlich kein Zufall. Silvaner kann diese feine, leicht herbe, manchmal fast grüne Aromatik des Spargels aufnehmen, ohne sie zu überdecken. Er hat genug Substanz, um nicht neben dem Gericht zu verschwinden, bleibt aber präzise und klar.

Der 2022 Silvaner R aus dem Sommerhäuser Steinbach zeigte an diesem Abend genau diese Stärke. Er brachte Ruhe an den Teller. Nicht laut, nicht breit, sondern mit einer feinen Spannung, die besonders zum Ofenspargel gut funktionierte.

Der Spargel hatte Röstaromen, Würze und Tiefe. Der Wein hielt dagegen nicht mit Kraft, sondern mit Struktur. Das machte das Pairing so schön: Der Silvaner verlängerte den Geschmack des Spargels, statt ihn zu übertönen.

Silvaner CONCORD: Wenn Silvaner Tiefe bekommt

Dazu kam das Rinderfilet. Und mit ihm der Moment für den 2024 Silvaner CONCORD. Hier braucht es nicht unbedingt einen lauten Wein, aber einen, der Substanz hat. Einen Wein, der Röstaromen, Saftigkeit und Würze aufnehmen kann. Der CONCORD tat genau das. Er gab dem Fleisch einen ernsthaften, charaktervollen Begleiter – ohne die Frische und Spannung zu verlieren, die Silvaner aus dem Steinbach so spannend macht.

Am Tisch wurde schnell klar: Das ist kein „Weißwein zum Fleisch, weil es mal anders sein soll.“ Das ist ein Wein, der das Fleisch wirklich tragen kann. Und plötzlich wurde aus dem Hauptgang nicht nur ein schönes Frühlingsgericht, sondern eine kleine Silvaner-Lektion: Eine Rebsorte. Eine Lage. Zwei Jahrgänge. Zwei Ausbaustile. Zwei völlig unterschiedliche Speisebegleiter.

Dieser Wein ist kein alltäglicher Silvaner. Dieser Wein zeigt eine ganz andere Seite des Silvaners. Er stammt ebenfalls aus dem Sommerhäuser Steinbach, wirkt aber deutlich kraftvoller, dichter und eigenständiger. Wo der Silvaner R die feine, elegante Seite des Spargels aufgreift, zeigt der CONCORD, die Kraft, die ein Silvaner besitzen kann.

Er wurde auf der Maische vergoren und reifte anschließend 12 Monate im Halbstückfass. Das gibt ihm mehr Tiefe, mehr Griff, mehr Ruhe – und genau deshalb passt er so gut auch zu rotem Fleisch.

Eine Lage, zwei Charaktere

Der Sommerhäuser Steinbach ist an diesem Abend nicht als geografische Angabe auf dem Etikett aufgetreten, sondern als roter Faden im Glas. Der Silvaner R zeigte die feine, klare, elegante Seite. Der Silvaner CONCORD die kraftvollere, dichtere und ausdrucksstärkere Seite. Beide kamen aus derselben Lage – und erzählten trotzdem unterschiedliche Geschichten.

Genau das macht Wein so spannend. Herkunft ist keine Schablone. Sie ist eher ein Resonanzraum. Was daraus wird, hängt vom Jahrgang ab, vom Ausbau, von der Idee hinter dem Wein – und natürlich davon, wozu man ihn ins Glas holt. An diesem Abend passte beides perfekt: Der Silvaner R zum Spargel, der Silvaner CONCORD zum Filet. Nicht als Wettbewerb. Sondern als Duo.

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Die Lage Sommerhäuser Steinbach: Das Zusammenspiel aus Kessellage, extremer Hangneigung und kargem Muschelkalkboden verleiht den Weinen ihr unverwechselbares, intensiv mineralisches Profil.

3. Gang: Zitronensorbet x Portfolio WHITE und Riesling Auslese

Nach Spargel, Filet und zwei Silvanern durfte es zum Schluss wieder leichter werden. Lukas servierte Zitronensorbet – frisch, kühl, klar, mit dieser feinen Säure, die nach einem intensiven Hauptgang genau richtig ist. Das Besondere daran: Das Sorbet wurde mit Portfolio WHITE zubereitet. So brachte der Wein nicht nur Süße und Fülle mit, sondern wurde direkt Teil des Desserts. Die Zitrone sorgte für Frische, der Portfolio WHITE für Tiefe und eine feine, konzentrierte Süße. Zusammen entstand ein Dessert, das leicht wirkte und trotzdem lange nachklang – genau der richtige Abschluss für einen Frühlingsabend, der genussvoll begonnen hatte und immer spannender wurde.

Ein Wein, der sich wunderbar als süßer, konzentrierter Abschluss einsetzen lässt, ohne den Moment zu beschweren. Zum Sorbet bringt er Fülle und Süße mit, während die Zitrone für Frische sorgt – für Süße und Säure in perfekter Balance.

Einer der wenigen fränkischen Qualitätslikörweine, die nach dem Vorbild der Portugiesen im kleinen Holzfass produziert wurde und in einem Joint Venture mit KSK Vintage Winery aus Stuttgart entstanden ist. Diese Spezialität überzeugt mit intensiven Aromen von Blüten, Orangenschalen und Mandeln, gefolgt von einem leicht nussigen Abgang

2025 Riesling Auslese Sommerhausen Steinbach

Ins Glas kam dazu die 2025 Riesling Auslese Sommerhausen Steinbach. Mit ihrer feinen Süße und der Riesling-typischen Frische griff sie das Zitronensorbet wunderbar auf: Süße trifft Säure, Frucht trifft Kühle, Auslese trifft Frühlingsdessert.

So wurde der letzte Gang nicht schwer oder üppig, sondern blieb hell, klar und lebendig – ein Abschluss, der noch einmal zeigt, wie schön Süßwein sein kann, wenn er nicht als Dessert-Ersatz gedacht wird, sondern als Begleiter.